Lufthansa Group-Mitarbeiter werden Design Thinking Coaches und lösen Probleme innovativ

Nach zwei erfolgreichen Workshops in Kenia in den vergangenen Jahren werden die sogenannten Impact Weeks im September und Oktober erstmals in Nigeria, Ruanda und Kolumbien stattfinden. Mitarbeiter der Lufthansa Group können sich für eine Teilnahme bewerben, vor Ort zu Design Thinking-Coaches ausbilden lassen und die Methode direkt anwenden. help alliance finanziert die Impact week in Lagos.

„help alliance möchte junge Menschen weltweit befähigen, ein eigenständiges Leben zu führen. Idealerweise erfolgt diese Befähigung durch den Einsatz und das Engagement der Kolleginnen und Kollegen der Lufthansa Group. Die Impact Weeks sind dafür eine wunderbare Plattform, von der beide Seiten nachhaltig profitieren können. Zudem wird auch das Unternehmertum gestärkt, und Entrepreneurship ist eine der drei wichtigsten Säulen im Portfolio der help alliance.“, sagt Joachim Steinbach, Geschäftsführer der Hilfsorganisation der Lufthansa Group. Deshalb finanziert help alliance auch die Impact Week in Nigeria und beteiligt sich an den Kosten der Workshops in Ruanda und Kolumbien.

Doch was versteckt sich hinter den Impact Weeks und dem Begriff Design Thinking (DT)? Ganz einfach: DT ist ein innovativer, agiler Produktentwicklungsansatz, bei dem eine Problemstellung identifiziert wird, die am Ende des Prozesses mit einem Business-Modell gelöst werden kann. Die DT-Methode orientiert sich dabei konsequent an den Bedürfnissen der Kunden. Das duale Konzept der Impact Weeks besteht dabei aus der Lernphase, in der die Teilnehmer zu DT-Coaches ausgebildet werden, und der praktischen Anwendungsphase mit Studenten lokaler Universitäten.

 „Ziel des Programms ist es, Coaches auszubilden, die das Erlernte dann nach den Impact Weeks auch in die Lufthansa Group hineintragen“, sagt Dr. Jens Unger, Project Leader Change Process Implementation beim Lufthansa Group Campus, der bereits die vergangenen Impact Weeks mit initiiert hat. Unger sieht in solchen Workshops viel Potenzial: „Sie helfen uns, Innovationsprozesse voranzutreiben und dabei agiler und kundenzentrierter zu arbeiten. Darüber hinaus gibt die Impact Week im Sinne der Social Responsibility gleichzeitig eine Hilfestellung für die Menschen vor Ort und fördert den interkulturellen Austausch. Denn nach der Ausbildung zu DT-Coaches, wird die Methode direkt mit den Studenten lokaler Universitäten angewendet. So sind diese später auch selbst in der Lage, eigenständig neue Impact Weeks durchzuführen. Junge Menschen erhalten darüber hinaus die Möglichkeit, notwendige Fähigkeiten zu erlernen, um ein eigenes erfolgreiches Unternehmen aufzubauen.“

Die Coaches der Impact Week sind absolute Experten: Mitorganisator Alexander Grots etwa hat den Ansatz vor 16 Jahren bei IDEO selbst mitentwickelt. Das Programm der Impact Weeks  wird u.a. von SAP „Design Thinking“-Trainern in Kooperation mit der Projekt-Gruppe Impact Week und lokalen Universitäten veranstaltet.

Rückblick Impact Week 2016 in Kenia

Als eine von vier Lufthansa Group-Teilnehmern der Impact Week 2016 in Kenia  beschäftigte sich Julia Wenzel, die heute bei Lufthansa Aviation Training in München arbeitet, mit ihrem Projektteam aus kenianischen Studenten mit dem Schwerpunktthema „Healthcare“. Konkret mit der Herausforderung, dass es für Mütter von Großfamilien keine verlässlichen Informationen zu Ärzten und deren Behandlungsmethoden gibt. „Diese sind aber sehr wichtig, denn in Kenia treffen die Frauen die Entscheidungen für die gesamte Familie hinsichtlich der medizinischen Behandlung. Doch Afrikanische Dorf-Ärzte erscheinen nicht auf Google“, sagt Wenzel, „und selbst wenn man weiß, wo sie ansässig sind, dann weiß man immer noch nicht, wie sie praktizieren.“

Nachdem sie zwei Tage lang vor Ort von professionellen SAP-Coaches nach dem Prinzip „Train the Trainer“ zum Design Thinking Coach ausgebildet wurde, konnte sie die neu erlernte Methode direkt anwenden. Viel Zeit blieb nicht, um eine Lösung für diese Fragestellung zu finden, denn beim Design Thinking ist zum einen das Arbeiten im Team besonders wichtig und bei der Impact Week kommt es auch auf Geschwindigkeit an: Innerhalb von nur vier Tagen wird eine Geschäftsidee entwickelt und getestet. Früh bezog das Team potenzielle Kunden in den Entwicklungsprozess mit ein, befragte auf den Straßen Nairobis Menschen. In rasantem Tempo entstand das Business-Modell.

„Unser Lösungsvorschlag war das Health-Book“, erzählt Wenzel. Ein Verzeichnis à la Facebook, das Anreize für Ärzte schafft, sich dort einzutragen, um besser auffindbar zu sein. „Darin kann der Arzt auch seine bevorzugte Behandlungsmethode angeben. Patienten können im Nachgang die Behandlung und die Erfahrungen bewerten. Das hilft den Müttern sehr bei der Entscheidung“.

Am Ende landete die neue Produktidee zwar nur auf dem sechsten Platz von insgesamt 17 Produktideen aus vier Schwerpunktthemen. „Aber nach der ersten Enttäuschung überwog dann bei meinem Team doch die Freude, dabei gewesen zu sein und so viel gelernt zu haben“, sagt Wenzel. Die Freundschaften, die in dieser intensiven Phase geschlossen wurden, halten noch heute an.

Den ersten Platz sicherte sich die Happy Farm“, eine Farm aus einem Karton. Kunden erhalten ein Paket mit Saatgut und Anbauhinweisen und können so auf nur wenigen Quadratmetern einen hochproduktiven Garten entwickeln.

Die Lufthanseatin war und ist begeistert vom Konzept. Im Oktober ist sie als Moderatorin bei der Impact Week in Ruanda dabei. „Gemeinsam mit den Studenten auf Augenhöhe lernen, war schon beeindruckend. Und ich kann sagen, dass die sie  wirkliche Meister im Erfinden von kreativen Geschäftsideen sind.“

Bei der Woche in Kenia waren neben Wenzel auch Benjamin Rückriegel von seinerzeit bei der LSG beschäftigt, Andrea Lemke, FRA HE/EP, und Tilo Hillmer, FRA AY dabei.

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