Sie war das Gesicht der help alliance. Mehr als zwölf Jahre stand Rita Diop als erste Vorsitzende des ehemaligen Vereins in der vorderste Reihe, setzte sich unermüdlich für die Belange der benachteiligten Menschen in den help alliance-Projekten ein und sammelte innerhalb und außerhalb des Konzerns Spenden. Sie war die Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um die Hilfsorganisation. Nun hat sie sich in den Freizeitblock der Altersteilzeit verabschiedet. Im Gespräch erzählt sie über wegweisende Begegnungen, großes Engagement und Leidenschaft.

 

Frau Diop, Sie waren mehr als 12 Jahre Erste Vorsitzende der help alliance. Seit 31 Jahren sind Sie Lufthanseatin aus Leidenschaft. Hand aufs Herz, waren Sie an ihrem ersten freien Tag nicht schon wieder auf dem Weg ins Büro?

Das kann durchaus passieren, dass ich morgens gedankenverloren meine Tasche packe und mich auf den Weg mache. 31 Jahre sind eine sehr lange Zeit, und gerade die vergangenen zwölf Jahre waren stets vollgepackt mit Arbeit, die mich immer erfüllt hat.

1999 wurde die help alliance von 13 engagierten Lufthanseaten gegründet. Wie sind Sie auf den ehemaligen Verein aufmerksam geworden?

Das war Ende 1999, kurz vor Weihnachten bei einem Roll-in-Event eines Lufthansa-Jumbos. Im Rahmen der Feierlichkeiten gab es eine Tombola zu Gunsten der help alliance. Am Infostand erklärte mir die damalige Erste Vorsitzende Bernadett Scholand, welches Anliegen die help alliance hat. Ich wollte mich direkt einbringen, denn ich hatte das Gefühl, dass es die Mitglieder ernst meinten. 

 

Und wie haben Sie sich eingebracht?

Zu Beginn verkörperte ich sozusagen den Urtypus des Friend of help alliance, der sich für die Sache einsetzt, Infostände besetzt und einspringt, wenn Not am Mann ist. Relativ schnell habe ich mich dann mit der Kommunikation der help alliance beschäftigt.

Wie ging es weiter?

Es gab ja eine begrenzte Mitgliederzahl. Dann gab es eine Vakanz und ich wurde gefragt, ob ich diese füllen wollte – ganz untypisch erstmal ohne Projekt. Ich habe mich dann aber sehr schnell auf die Suche nach einem geeigneten Projekt im Senegal gemacht, da mein Mann Senegalese ist. Und ich wusste, hier besteht großer Bedarf an Unterstützung. Nach vielen Gesprächen bin ich dann ein Jahr später fündig geworden und es flossen die ersten Gelder. Bei der Projektauswahl waren mir zwei Dinge besonders wichtig: Zum einen der Fokus auf Bildung und Ausbildung und zum anderen wollte ich Frauen fördern, die traditionell einen schweren Stand in dem Land haben, was den ersten Punkt betrifft. Etwa zur gleichen Zeit bin ich dann auch in den Vorstand und 2005 zur Ersten Vorsitzenden gewählt worden. 

 

Viele Kolleginnen und Kollegen tragen sich mit dem Gedanken, sich zu engagieren. Was genau hat Sie an der help alliance überzeugt?

Die gute Zusammenarbeit unter den Vereinsmitgliedern. Alle waren von der Idee getragen, die Welt im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein Stückchen besser zu machen. Wir haben nun einmal nur die eine Welt. Zudem hatte die Arbeit immer etwas Sinnstiftendes für mich.

Seit 1. Januar 2017 ist der Verein eine gemeinnützige GmbH und die zentrale Säule des gesellschaftlichen Engagements der Lufthansa Group. Der richtige Weg?

Wir haben uns nie komplett unabhängig gesehen, sondern wollten gemeinsam mit dem Unternehmen etwas bewegen. Und aus unserer Sicht haben davon immer auch beide Seiten profitiert. Ich freue mich sehr darüber, dass es nun eine engere Verzahnung gibt.

 

Welchen Eindruck haben Sie von der Entwicklung der help alliance im letzten halben Jahr?

Ich finde, es ist nun leichter, Dinge umzusetzen. Auch die Verbindungen und das Netzwerk ins Unternehmen hinein sind deutlich umfangreicher geworden, sodass es nun auch hier einen größeren Hebel gibt, Entscheidungen herbeizuführen. Wir wissen, wie wichtig persönliche Kontakte sind. Es macht mich stolz, dafür mit unserer Arbeit den Grundstein gelegt zu haben.

 

Neben Ihrer Arbeit als Erste Vorsitzende der help alliance betreuen Sie auch ein Projekt im Senegal. Bleibt nun mehr Zeit für die Projektarbeit?

Unbedingt und absolut. In meiner Funktion als erste Vorsitzende hatte ich wenig Zeit, mich um mein eigenes Projekt zu kümmern. Der Job war sehr energie- und zeitraubend. Ich freue ich mich schon drauf, für meine Herzangelegenheit mehr Zeit zu investieren.

Sicherlich haben Sie viele unvergessliche Momente erlebt. Viel Leid und Trauer, aber vor allem Hoffnung und Zuversicht. Gab es einen Moment, der Sie wirklich nachhaltig verändert hat?

Die Motivation war immer die Begegnung mit den Menschen: mit den vielen Kolleginnen und Kollegen, die mit Leidenschaft und Engagement ihre Projekte vorantrieben, aber auch die mit den Menschen, die von unserer Arbeit profitierten. Ganz besonders ist mir die Geschichte eines senegalesischen Mädchens ohne Schulbildung in Erinnerung geblieben. Sie kam vor einigen Jahren in das Projekt und erlernte dort das Schneiderhandwerk, lernte Französisch und Rechnen. Mit diesen Fähigkeiten und Wissen eröffnete sie ihr eigenes Geschäft und führt dies sehr erfolgreich. Genau das ist es: Aus Nichts und dem Angebot, etwas zu lernen, etwas aus sich zu machen. Bei solchen Geschichten kann es beim Erzählen durchaus passieren, dass ich die professionelle Distanz, die man für die Arbeit braucht, verliere und vor Freude weine.

 

Was wünschen Sie sich für die help alliance?

Ich wünsche der help alliance und der Lufthansa Group, dass sie eng zusammenwachsen und noch viele solcher Erfolgsgeschichten erzählen können. Und natürlich wünsche ich mir, dass das großartige Engagement der Kolleginnen und Kollegen der Lufthansa Group weiter ausgebaut wird. Unsere Arbeit lebt davon, dass man Unterstützer hat.

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