„Das ist inzwischen mehr als nur ein Sprachkurs“

 

Klaus Fuchs, Lufthanseat im Ruhestand, friend of help alliance und engagierter Sprachlehrer für Flüchtlinge erzählt wie er zu help alliance kam und welche tollen Erfahrungen er gemacht hat.

 

Was hast du bei Lufthansa gemacht?

Ich bin seit 01.12.2015 in Rente. Vorher war ich in der Simulator Abteilung. Dort war ich mit zwei weiteren Kolleginnen für Schulungen und den Ausbildungsablauf sowie Flugtrainings für A320 und B737 zuständig.

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Wie bist du zur help alliance gekommen?

Da waren zwei parallele Gründe.

Als Deutscher -in Brasilien geboren- habe ich mich auf der Homepage über das Projekt Seara in Santarem in Brasilien informiert und dies dann auch als Fördermitglied finanziell unterstützt. Vor drei Jahren habe ich das Projekt vor Ort besucht und mich über die Richtigkeit und Wichtigkeit der Gelder überzeugt. Außerdem hat mich die Art und Weise der Hilfen von help alliance beeindruckt.

Der zweite Grund war mein Herzinfarkt im Jahr 2010. Von dem hätte ich mich beinah nicht mehr erholt. Ich wollte ganz einfach etwas zurückgeben. Da überlegte ich, dass Geld verdienen nicht alles ist und das ich mich gerne sozial engagieren möchte. Als Lufthanseat lag da help alliance nahe.

Wie hast du überhaupt von help alliance erfahren?

Durch Flyer und durch die Filme an Bord beim Fliegen. Auch die gelegentlichen Beiträge im „Lufthanseat“ haben mich überzeugt.

Du engagierst dich nun als Sprachlehrer für Flüchtlinge im Frankfurter Ostend, wie kam es dazu?

Über help alliance bin ich zu einer Veranstaltung gegangen, wo es darum ging wie man Flüchtlingen helfen kann. Dort hatte ich dann Kontakt zu den „Teachers on the Road“. Die waren allerdings vollkommen überlastet und hatten auch schon genug Lehrer für den Bereich Ostend. Die Bereiche Gutleut und Fechenheim waren gerade im Aufbau. Da sie so viele Anfragen bekamen, kamen sie gar nicht mehr dazu alle Mails zu beantworten. Ich habe dann nochmal mit dem Büro im Ostend telefoniert und da wurde mir dann als Tipp gegeben, dass Elke Spichalski vom Nachbarschaftszentrum Ostend dabei ist einen Treff für Flüchtlinge zum Deutsch lernen zu organisieren.

Gemeinsam entwarfen wir die Flyer und es sprach sich schnell herum. Wir konnten einen großen Zuwachs beobachten. Die Flüchtlinge, die kamen, kommen auch immer wieder.
Allerdings stellten wir fest, dass unsere Mittel beschränkt waren, deshalb wandte ich mich an help alliance und bat um finanzielle Unterstützung. Ich stellte dann einen Projektantrag und bekam diesen auch genehmigt.

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Was sind die besten Erfahrungen die du bisher gemacht hast?

Ganz klar: Die Dankbarkeit der Leute. Wenn man sieht, dass man seinen Unterricht so gestaltet, dass die Schüler, die ja eigentlich alle Erwachsene sind, selbstständig weitermachen wollen.
Teilweise kommen sie aus Niederrad mit gebrauchten Fahrrädern angefahren nur um am Deutschkurs teilnehmen zu können. Auch aus dem Gutleut, Bornheim und Ginnheim kommen regelmäßig Schüler.

Wir haben im November 2015 begonnen. Anfangs waren es nur drei bis vier Personen. Inzwischen kommen 15 bis 20 Personen regelmäßig. Die Hauptgruppen sind Menschen aus Syrien und Eritrea an dritter Stelle stehen mit etwas Abstand Afghanistan und der Iran.

Wenn so viele unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen, gibt es da keine Probleme?
Das Gemeinschaftsgefühl ist toll. Der Umgang miteinander ist harmonisch und friedlich. Auf Grund von Sprachbarrieren sprechen sie untereinander deutsch um sich zu verständigen.
Das ist inzwischen mehr als nur ein Sprachkurs. Wir helfen auch bei vielen anderen Problemen.

Mit welchen Problemen haben die jungen Menschen denn zu kämpfen?

Das größte Problem ist natürlich, dass zu Hause Krieg herrscht. Und hier warten sie ewig auf ihre Arbeitserlaubnis. Das heißt sie können nur rumsitzen und warten, obwohl sie teilweise exzellente Abschlüsse haben und dank der deutschen Bürokratie nicht arbeiten können bzw. dürfen. Das andere Problem ist natürlich die Sprache. Ich gebe dann immer den Tipp, dass sie untereinander Deutsch sprechen sollen und deutsches Fernsehen schauen sollen um den Klang der Sprache ins Ohr zu bekommen.

Was würdest du jemanden empfehlen, der sich sozial engagieren möchte?

Sich selbst bewusst sein, was man macht und wieso man es macht. Bereit zu sein, für einige Zeit dafür Zeit zu opfern und dabei keinen Zwang zu verspüren. Man kann jederzeit aufhören. Es gibt einem die Möglichkeit über den Tellerrand zu gucken, und zu sehen wie es anderen Leuten geht. Allein durch Gespräche mit den Leuten werden so viele Einzelschicksale präsent gemacht, die man sonst nicht erfahren hätte. Wenn jemand etwas Soziales machen will, dann findet man auch was. Einfach die Augen aufmachen.

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Wenn du schon von Einzelschicksalen erzählst, ich kann mir vorstellen, dass da viele unschöne Dinge dabei sind. Wie emotional belastend ist deine Tätigkeit für dich?

Ich lasse vieles nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt an mich heran. Da kommen mir meine Erfahrungen zu Gute, die ich im SAT Team – also Special Assistance Team – bei Lufthansa gemacht habe. Vieles was ich da gelernt habe, kann ich heute verwenden.

Jetzt noch eine Frage, bei der viele etwas länger nachdenken: Was hast du durch dein Engagement über dich selbst gelernt?

Da brauche ich gar nicht lange nachdenken. Ich kann hier einfach den ersten Artikel des Grundgesetzes zitieren: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Mit wenig Mitteln kann man anderen Menschen viel Freude bereiten und somit auch ihre Integration erleichtern und was ganz wichtig ist, von Anfang an mit richtigem Deutsch sprechen. Aber auch das gehört dazu: Eigene Werte vermitteln ohne beleidigend zu wirken und unsere Kultur nicht aufzugeben, sondern transparent zu machen.