LTT-Ausbilder Dirk Borchert leitete Elektriker-Kurs für syrische Flüchtlinge im help alliance-Projekt im Libanon

Alles beginnt mit einem Aufruf im wöchentlichen Rundbrief „Newsflash“ der Lufthansa Technical Training (LTT). Zwar trägt Dirk Borchert schon länger den Gedanken in sich, sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren, doch die Initialzündung fehlte bis zu diesem Zeitpunkt. „Ich wollte kein Geld spenden, sondern mich aktiv einbringen“, erklärt der LTT-Ausbilder. Die folgende Reise führt ihn zurück zu seinen handwerklichen Wurzeln – und in den Libanon.

Borchert ist gelernter Energieelektroniker. Heute vermittelt er Fachwissen an angehende oder gestandene Fluggerätelektroniker und -mechaniker. Im Newsflash-Aufruf, der von LTT-Geschäftsführer Rubin Siddique unterstützt wird, werden Kolleginnen und Kollegen gesucht, die im von der help alliance unterstützen Orienthelfer-Projekt im Libanon handwerklich orientierte Aufbaukurse für geflüchtete syrische Frauen und Männer anbieten. Borchert ist einer von vier Bewerbern für die Leitung des Elektriker-Kurses. Sein Lehrberuf bringt den Ausschlag zu seinen Gunsten.

Das Projekt Orienthelfer wird seit 2016 von der help alliance unterstützt. Der Verein arbeitet betreibt ein Schulungshaus für handwerkliche Berufe im Bekaa Tal an der libanesischen Grenze zu Syrien. Unterstützt werden die Orienthelfer nicht nur von der help alliance, sondern auch von den Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz). Borchert reist Ende 2016 nach Beirut und schaut sich vor Ort alles an. „Die Verhältnisse waren in Ordnung“, sagt der Hanseat. Auch der Aufbau der Kurswoche sei gut. Sie orientiert sich am deutschen Dualen System, das Theorie und Praxiseinheiten vorsieht. Ende Februar 2017 beginnt der einwöchige Elektriker-Kurs.

„Die Unterstützung meiner Kollegen und Vorgesetzten war sehr groß“, sagt Borchert. Sowohl die Übernahme der Kosten für den Flug als auch die Freigabe verlief reibungslos. Die Unterkunft wurde von den Orienthelfern übernommen. „Natürlich muss man abkömmlich sein, d.h. es sollten keine Ausbildungslehrgänge in dieser Zeit sein“, resümiert Borchert über die unternehmensseitige Bereitschaft zur Unterstützung.

Borchert ist zwei Tage vor der Ausbildungswoche bereits in Beirut. „Bevor man anfängt, muss man schauen, wie hier gearbeitet wird und welche Materialien überhaupt zur Verfügung stehen“, sagt er. Man könne allerdings keine deutschen Sicherheitsstandards voraussetzen. „Aber man kann zumindest versuchen, diese zu vermitteln.“ Die anfängliche Nervosität ist schnell verflogen. Die syrischen Geflüchteten, die er in der Woche unterrichtet, sind wissbegierig, stellen viele qualifizierte Fragen und haben bereits einen intensiven Grundlagenkurs absolviert. Schon für diesen Grundkurs wurden gewisse Vorkenntnisse vorausgesetzt.

Eine Woche intensiven Arbeitens in Theorie und Praxis folgen. Doch auch zwischenmenschlich funktioniert es. „Obwohl keiner der Teilnehmer Englisch sprach, funktionierte der Austausch super. Der Übersetzter hatte viel Arbeit“, schmunzelt Borchert. Nach den vollgepackten Kurstagen bleibt aber auch Zeit für gemeinsame Aktivitäten am Abend. Gelegenheit, die Männer näher kennenzulernen. Borchert zeigt sich von den Schicksalen, aber auch dem ungebrochenen Willen beeindruckt. „Alle wollen so schnell wie möglich wieder zurück nach Syrien, um mit ihrem Wissen und Fähigkeiten beim Wiederaufbau des Landes zu helfen. Und natürlich wieder mit ihren Familien vereint zu sein.“

„Ich hatte das gute Gefühl, hier wirklich etwas bewegt zu haben“, sagt Borchert nach seiner Rückkehr. Zwar gebe es noch an einigen kleinen Stellschrauben zu drehen, aber „ich würde jederzeit wiederkommen.“

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