Anpacken in Gambia

Trainees der Lufthansa Group haben sich im Projekt in Gambia engagiert und mit Workshops und Manpower unterstützt – hier schildern sie ihre Erfahrungen

Die pensionierte Lufthansa-Kollegin Edith Lanfer hat sich mit der Gründung der Stiftung Sabab Lou das Ziel gesetzt, für Jugendliche in Gambia und Ghana berufliche Perspektiven zu schaffen. In Kooperation mit der help alliance und Sabab Lou hatten wir im Rahmen unseres Traineeprogrammes die Gelegenheit, ihr neustes Projekt in Ballengho (Gambia) zu unterstützen. Das Projekt schafft vor Ort nachhaltig Lebensraum und Ausbildung für 80 Jugendliche und wurde im September dieses Jahres feierlich eröffnet. Die Ausbildung umfasst theoretische und praktische Aspekte im Bereich der Landwirtschaft und zusätzlich eine Grundausbildung zu unternehmerischen Methoden. Letztere Module werden durch die Trainees der Lufthansa Group vorbereitet und vor Ort unterrichtet. Darüber hinaus ist beim noch andauernden Aufbau jede helfende Hand willkommen, sodass wir neben dem Unterricht auch viele Gelegenheiten hatten, einfach auf den Feldern und im Camp mit anzupacken.

Begrüßt wurden wir am Flughafen in Banjul, der Landeshauptstadt von Gambia, mit einem heftigen Gewitter. Während der Passkontrolle fiel die Elektrizität für einige Minuten aus, ehe die Notstromaggregate angelaufen waren. Edith empfing uns in der Empfangshalle des Flughafens und das Bild, welches sich dort uns zeigte, werden wir mit Sicherheit nicht mehr vergessen. Der Flughafen Banjul stand buchstäblich unter Wasser. Draußen ertönten die Sirenen der Feuerwehrautos und es wurde verzweifelt versucht, den Keller des Flughafens wieder leer zu pumpen.

In strömendem Regen ging es für uns zu den Autos, welche uns auf direktem Wege ins Hotel brachten. Bei sehr leckerem Abendessen wurden die ersten Planungen für die anstehenden zwei Wochen besprochen. Nach einer kurzen Nacht im Hotel ging es am nächsten Morgen um 8 Uhr direkt los in Richtung Ballengho. Während der 3-stündigen Autofahrt hatten wir Gelegenheit erste Eindrücke des Landes zu sammeln.

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Nach der Ankunft im Camp hieß es für uns erst einmal die Leute kennenzulernen. Bei einem Spaziergang zum nahe gelegenen Fluss hatten wir die Chance, mit einigen der Jugendlichen erste Gespräche zu führen und mehr über ihre Motivation zu erfahren. Bemerkenswert war zu sehen, dass alle die Ausbildung zum Farmer als Chance wahrnehmen, um sich und das Land nach vorne zu bringen. Und am nächsten Tag ging es mit dem Unterricht los …

In den ersten Tagen lag der Fokus des Unterrichts zunächst einmal darauf, den Auszubildenden zu erläutern, wie sich Teams finden und diese miteinander agieren. Auch wurde mithilfe von Gruppenarbeiten und spielerischen Elementen erklärt, wie man Konflikte und Probleme lösungsorientiert bearbeiten kann. Insbesondere die Gruppenarbeiten erfreuten sich stets sehr großer Beliebtheit bei den Jugendlichen und waren während des zweiwöchigen Unterrichts ein stetiger Begleiter des Unterrichts.  Im Rahmen eines zweiten Moduls wurden die Grundelemente für Projektmanagement gelegt: „Was ist ein Projekt?“, „Wie definiert man Ziele?“, „Wie erstellt man einen Zeitplan?“ und viele andere Fragestellungen wurden in diesem Modul bearbeitet. Auch hier wurde bei der Vermittlung der Inhalte sehr viel auf spielerische Elementen gesetzt.

Vor und auch nach dem Unterricht waren wir mit den Auszubildenden auf dem Feld aktiv und bei den dort anstehenden Aufgaben unterstützt. Bei 40 Grad Außentemperatur kann das auch schon mal sehr anstrengend werden. Teilweise sind wir hier auch an unsere Grenzen gekommen und so manch einer von uns musste seine Komfortzone verlassen.  Aber auch der Unterricht machte sich auf der mentalen Ebene bemerkbar. Jeden Abend den Unterricht für morgen vorzubereiten und immer wieder individuell auf die Bedürfnisse der Jugendlichen anzupassen war nicht immer einfach. Hinzu kommt noch, dass man jeden Tag mit den Ängsten, Sorgen und Wünsche der Jugendlichen vor Ort in Berührung gekommen ist.

Neben dem Unterricht und der Feldarbeit blieb Zeit für sportliche Aktivitäten. Volleyball und Fußball sind die beiden Sportarten, welche im Camp sehr beliebt sind und in jeder freien Minute gespielt werden. Auch nutzten wir unsere Freizeit, um das Land und die Leute besser kennenzulernen. So machten wir beispielsweise einen Tagesausflug nach Farafenni, der nächstgrößeren Stadt unweit vom Camp. Eines unserer Highlights war auch der Besuch des Dorfes von Mbelly, einem der Mitarbeiter im Camp. Seine Familie empfing uns dort mit einem sehr leckeren und traditionellen gambischen Essen und abgerundet wurde unser Tag mit einem Volleyballturnier mit den Kindern auf dem Marktplatz des Dorfes.

 

Die zwei Wochen vergingen für uns wie im Flug und während des Aufenthaltes bauten wir eine sehr starke Bindung zu den Kindern auf. Am letzten Tag gab es Deutsch-Unterricht und eine Abschiedszeremonie. In dieser wurde für uns gesungen und eine Rede gehalten. Die Zeremonie war sehr emotional und sie machte uns den Abschied aus dem Camp noch schwerer.

 

Ganz besonders wird uns in Erinnerung bleiben, wie positiv und fröhlich die Menschen vor Ort sind. Durch den Einsatz im Camp wird man definitiv wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht und man realisiert, was wirklich im Leben zählt. Es geht nicht immer darum, von allem das Beste zu besitzen und manchmal sind es die kleinen Gesten im Leben, die wirklich wichtig sind. Insbesondere die Helferinnen und Helfer vor Ort haben uns sehr beeindruckt. Mit ihrem unermüdlichen Willen, den Jugendlichen eine Zukunft zu geben, arbeiten sie teilweise bis zu zwölf Stunden am Stück.

Ehrlicherweise kann man sagen, dass man von den Menschen vor Ort sehr viel lernen kann. Nicht nur deren unbändiger Wille das Land nach vorne zu bringen, sondern auch deren positive Grundeinstellung zum Leben haben uns sehr bewegt und zum Nachdenken angeregt.

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