Berufsperspektiven für Rückkehrer

Ballingho, Gambia

In Relation zu seiner Bevölkerung hat Gambia die höchste Abwanderungsrate in Subsahara-Afrika Geschuldet ist dies sicher dem Joch der langjährigen Diktatur, aber auch dem dramatischen Mangel an Perspektiven. Ohne Bodenschätze und nennenswerte Produktion ist das Land auf den Tourismus und die Landwirtschaft als Wirtschaftsfaktor angewiesen. Die traditionelle Subsistenz-Landwirtschaft bot keine Option. Gerade die jungen Menschen riskierten lieber den „backway“, den illegalen Weg nach Europa. Sie hatten nichts zu verlieren.

Seit dem Rückführungsabkommen zwischen EU, IOM und Gambia im Juli 2018 werden viele Migranten wieder zurückgeführt. Bei einer Jugendarbeitslosigkeit von über 40% bedeutet dies eine weitere Belastung für den Arbeitsmarkt. Hinzu kommen Angst und Scham es „nicht geschafft zu haben“, rückgeführte Migranten gelten als Versager. Das gambische Jugendprojekt bietet Perspektiven für arbeitslose Jugendliche und Migranten in der Landwirtschaft.

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Ballingho, Gambia

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Projektleitung

Gambia

Edith Lanfer, Deutschland

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Details & Erfolge

Ballingho, Gambia

Dass im Agrarbereich Potential steckt hat die Stiftung Sabab Lou über 9 Jahre in Gambia bewiesen. Kooperativen in der North Bank Region Gambias betreiben professionellen Gemüsebau und konnten sich so aus der Armutsfalle befreien. Und die Möglichkeiten sind bei weitem nicht ausgeschöpft. Die wachsende Tourismusindustrie verlangt nach hochwertigem Gemüse, der Bedarf kann derzeit nur durch Importe aus den Nachbarstaaten und Europa gedeckt werden. Dabei wären die Hotelbetreiber froh und willens Produkte aus dem eigenen Land anbieten zu können.

Hier setzt das Jugendprojekt an. In einer zweijährigen dualen Ausbildung werden Jugendliche im Alter zwischen 15 und 30 Jahren in Agrarberufen und anverwandten Berufsfeldern geschult. Die Ausbildung umfasst Gemüsebau, Viehzucht, Geflügelhaltung, Obstanbau, Nahrungsmittel-verarbeitung, Landschaftsbau, Marketing, Transport, Produktentwicklung, Vertrieb, Catering und vieles mehr.

Der theoretische Unterricht umfasst nicht nur die fachlichen Anforderungen, sondern auch die Schulung in allen Belangen eines professionellen Geschäftsaufbaus. Marktanalyse, Kundenpflege, Datenaufbau, Kalkulation, Buchführung, Geschäftsplanung, um nur einige Bereiche zu nennen.

Mit Unterstützung der help alliance wird gerade dieser Aspekt gefördert. Management Trainees aus verschiedenen Abteilungen der Lufthansa Group unterrichten die Business-Module. Die Begeisterung der Jugendlichen über Qualität und Durchführung spricht für die Bedeutsamkeit dieses Einsatzes. Mehr noch, die gambischen Jugendlichen erleben die Wertschätzung als zukünftige Unternehmer. Sie ergreifen die gebotene Perspektive mit ungewöhnlichem Leistungswillen und Arbeitseinsatz. Neben moderner Landwirtschaftstechnik, ressourcenschonendem organischem Anbau, nachfrageorientierter sequentieller Kultivierung und planvollem Produktangebot ist es vor allem die den örtlichen Gegebenheiten und dem Ausbildungsstand der Jugendlichen angepasste praktische wie theoretische Ausbildung, welche eine wirkliche Zukunftsperspektive bedeutet.

Die Jugendlichen sind in einem Gebäudekomplex inmitten eines 12,5 ha großen Gartenareals untergebracht. Unterkunft und Verpflegung ist frei, zudem erhalten sie ein Stipendium, welches sie zur Hälfte monatlich ausgezahlt bekommen und zur Hälfte bis nach ihrem Abschluss für sie angespart wird. Es beträgt ca. 30 Euro im Monat.

Überraschend ist die außergewöhnlich gute Stimmung im Camp, es scheint mehr als nur ein Ausbildungsort zu sein. Es ist Wertschätzung, Talententwicklung und Selbstfindung. Befreit von familiären und gesellschaftlichen Strukturen können sie hier ihr Können unter Beweis stellen, eine Erfahrung die sie sich nicht mehr nehmen lassen werden.

Fotos: Sarah Keßler

Zahlen & Fakten

Projektort

Ballingho, Gambia

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