Ndary hat gut lachen oder von einem, der bald kein Geist mehr ist

Normalerweise, wenn ich mein Projekt besuche, freue ich mich einfach, dass wir seit 10 Jahren hunderten von Mädchen und Frauen einen Abschluss in den Berufen Schneiderin, Frisörin und Köchin ermöglicht haben. Ja, und natürlich die 100 Kinder des Kindergartens Keur Mame Fatim Konté, so der Name des Zentrums, sind immer ein Quell der Freude.

Gut, dass das Zentrum von Leona, das vor fast zehn Jahren eröffnet wurde und mit Geldern der help alliance erbaut wurde, in dem armen Viertel Leona in Saint-Louis im Norden Senegals Perspektiven für die Jugendlichen eröffnet, Versammlungsort für verschiedene Assoziationen ist, und den Einwohnern ein bis zweimal im Jahr, kostenlose medizinische Untersuchungen anbietet.

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Wie unendlich viel schwieriger ist es da, wenn man sich die Situation der Koranschüler des Viertels anschaut. Hier Hilfestellungen zu geben, bleibt immer eine Herausforderung. Ndary ist ein Talibé.

Im Viertel gibt es etliche Koranschulen, die unter der Führung von so genannten Marabouts stehen. Mit zwei Marabouts unterhält das Zentrum seit Jahren gute Beziehungen. Von dort kommen die etwa 50 Jungen, die im Zentrum an zwei Nachmittagen der Woche alphabetisiert werden, etwas zu essen erhalten, ihre Kleidung waschen können, duschen usw.

Meistens kommen die Kinder aus weit entfernten Dörfern, werden von ihren Eltern den Koranschulen überlassen, was gesellschaftlich im islamisch geprägten Senegal nicht verwerflich ist, denn den Koran muss jedes Kind lernen und so erfüllen die Koranschulen offiziell einen guten Zweck. Da die Eltern nichts für den Unterhalt zahlen, müssen die Kinder betteln gehen oder kleine Jobs verrichten. Für die armen Familien sind sie einfach ein Esser weniger und vermeintlich bei den Marabouts versorgt.

Die Situation in den Daaras, den Koranschulen, ist so unerträglich, dass die Kinder wie Straßenkinder leben, in den heruntergekommenen Gebäuden halten sie sich nicht gerne auf. Der Koranunterricht nimmt ja nur wenige Stunden am Tag ein und in die Schule gehen die Kinder nicht.

Wenn sie später nicht in ihre Dörfer zurückgehen, was oft keine echte Alternative ist, bleiben ihnen nur niedrigste Tätigkeiten. Einen erwachsenen, ehemaligen Koranschüler traf ich beim Putzen der Toiletten an der Schule an, die Ndary jetzt besucht.

Ndary wollte unbedingt in die Schule gehen. Die Mitarbeiter des Zentrums vermittelten zwischen dem Koranlehrer und der Schule Boly Diaw, die vor 10 Jahren das erste von der help alliance finanzierte Internetcafé eingerichtet bekam.

Eine große administrative Hürde gilt es noch zu nehmen, denn Ndary hat keine Geburtsurkunde, eigentlich kann er ohne dieses Dokument an keiner Schule eingeschrieben werden. Laut BMZ teilt er damit das Schicksal von 59 Prozent aller Kinder in Subsahara-Afrika.
Kinder die nicht registriert sind, existieren offiziell einfach nicht, sie können verschwinden, ohne Spuren zu hinterlassen.

Angelique Kidjo, die Unicef-Botschafterin von der Elfenbeinküste, sagte einmal: „Wenn ein Kind keine Geburtsurkunde hat, wird es seiner Zukunft beraubt. Es lebt unsichtbar wie ein Geist.“

Ndary ist hoffentlich bald kein Geist mehr. Seine Geschichte ist ein kleiner und doch so großer Erfolg für die Arbeit der help alliance in Leona. Ich hoffe, es wird Schule machen.

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Projektort

St. Louis, Senegal

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Leona, Senegal

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