Harishs Suche nach seiner Lebensaufgabe

Im help alliance-Projekt Prana in Südindien werden auch Kinder mit Handicap betreut.

Vor einiger Zeit kam eine alte Frau mit ihrem Enkelkind in das Therapiezentrum für Kinder mit Behinderungen des help alliance-Projekts Prana im südindischen Periyamudaliyarchavadi bei Pondicherry. Schon auf den ersten Blick war zu erkennen, dass der fünfjährige Harish blind war. Seine Großmutter erzählte, dass ihn seine Mutter verstoßen habe, „er würde nur Unglück bringen“, berichtet Projektleiterin Hilde Link. Zuvor habe Harishs Vater bereits seine Frau wegen des behinderten Kindes verlassen. Nun wolle auch die Mutter mit ihrem Kind nichts mehr zu tun haben. Er lebe nun bei ihr, der Großmutter, sie habe ihn aufgenommen.

„Umgehend veranlassten wir, dass Harish in einer großen Spezial-Augenklinik untersucht wird“, sagt Link. Die moderne Technik werde es schon richten. „Wir waren uns sicher, dass die Ärzte dem Jungen durch eine oder mehrere Operationen sein Augenlicht zurückgeben können“. Aber es kam anders.

„Bei einem Besprechungstermin erklärte uns der behandelnde Arzt, Dr. Veena, dass Harish von Geburt an keine Sehnerven habe, dass er nichts, rein gar nichts sehe, dass er nicht einmal Hell und Dunkel unterscheiden könne“, sagt Link. „Als sie sah, dass ich weinte, sagte sie, dass jeder Mensch seine Aufgabe im Leben zu erfüllen habe. So auch dieser Junge.“Nun setzen die Projektverantwortlichen alles daran, Harish bei der Suche nach seiner Lebensaufgabe zu unterstützen. Mit Erfolg: Harish hat nun eine eigene Betreuerin, die jeden Tag eineinhalb Stunden mit ihm spielt und lernt. Auch blindengerechte Spielsachen wurden angeschafft und seit einiger Zeit bekommt der Fünfjährige auch Keyboard-Unterricht, was ihn vollkommen begeistert.

Einmal in der Woche besucht eine Lehrerin der Prana-Schule die nahe gelegene Blindenschule, bekommt dort didaktische Anregungen und Unterricht in Braille. Im Sommer wird Harish in dieser Einrichtung eingeschult. 

Im Therapiezentrum für behinderte Kinder sorgen ein Physiotherapeut, eine Masseurin und eine Betreuerin dafür, dass Kinder nicht nur Linderung ihrer Beschwerden erfahren, sondern vor allem auch in ihrer Würde bewahrt und nicht mehr ausgegrenzt werden. Es ist Teil des Prana-Projektes, dessen Kernstück eine Förderschule für Kinder aus sehr armen Familien ist. Darüber hinaus können von der Gesellschaft geächtete Frauen und Kinder in dem Wohnprojekt „Glückskinder“ einen Ort zum Leben finden.

Projektort

Periyamudaliyarchavadi, Pondicherry, Indien

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